Gedankenwelten

Was so durch das Köpfchen rauscht.

8 Anmerkungen

Kerzen in der Nacht

Die Nacht schleicht ums Fenster,
will dringendst herein.
Schickt alle Gespenster
um einen Schlafplatz zu freien.

Güldener Schein, der lockt die Dunklen heran,
zeichnet die Ecken und Kanten weich.
Draußen toben die Geister im Wahn,
wollen zurück ins Erdenreich.

Drinnen lecken flackernde Schatten
an bronzener Haut, weiblich und warm.
Sanfte Tropfen fallen auf Matten,
mischen mit Flammen sich zu eigenem Charme.

Blaugraue Blitze feuert sie gegen das Fenster,
geboren hinter schwarzgelocktem Haar.
Verurteilt die Störung durch die Gespenster,
wo die Nacht bisher so vielversprechend war.

Jetzt gibt das flackernde Licht
den Blick auch frei auf den Herrn des Raumes.
Auf nackter Haut sich der Schimmer bricht,
ein stolzer Sohn ihres feuchten Traumes.

Die Gespenster draußen heulen und beben,
Nebelschatten in eisiger Nacht,
drin bescheinen die Kerzen das Leben:
Zwei starke Seiten der gleichen Macht.

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1 Anmerkung

In mondheller Nacht

Silberfäden ringeln sich
durch die Dunkelheit.
Umschmeicheln mein ich
wie ein Seidenkleid.

Kalte Luft zersplittert die Nacht,
dunkle Schatten spielen mit mir.
Schwarze Musik erreicht mich ganz sacht,
die Töne tragen mich näher zu dir.

Hier möchte ich aber nicht sein!
ich denke so klar wie nie.
Bleibe lieber für immer allein,
als mich hier zu fühlen wie Vieh.

Die mondhellen Silberseile
der Nacht sind meine Rettung.
Katapultieren mich in Windeseile
zurück in die einsame Dämmerung.

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1 Anmerkung

Unvollständiges

Vor einigen Jahren hat mich beim Fernsehen während einer Werbepause fast der Schlag getroffen. Nein, es war nicht einer von vielen unglaubwürdigen Spots, der mit Halbwahrheiten seinen Sirenengesang anstimmte. Zumindest war nicht das der Grund für mein erschrockenes Zusammenzucken.

“Mama, kann ich einen Lolli?” tönte der Nachwuchs, um gleich darauf mit einem ach so gesunden Lutscher davon zu hüpfen.

Was? Wegschmeißen, verkaufen, holen, bringen, malen, ansingen, erzeugen, usw. usf.?

Der Satz “Kann ich einen Lolli?” ist kein Satz. Er ist unvollständig! Das musste auch der Sohn einer Freundin lernen, der mir mit genau diesen unvollständigen Wortgebilden seine Wünsche näher bringen wollte. Ich stellte mich dumm, bis er wieder einen graden Satz sagen konnte. Und ich bin bis heute stolz darauf, dass er mit mir immer so gesprochen hat - denn allen anderen war es scheinbar egal und sie haben ihn auf diesen Sprachfehler nicht hingewiesen.

Ihr könnt euch mein Entsetzen vorstellen, als ich vor kurzem von meiner Mutter via Chat die Info bekam, sie könne mich derzeit nicht treffen, sie könne nicht Auto fahren, weil: “Weißt, ich hab so Rücken.”

Ich fuhr fast wie der Beelzebub durch die Leitung. Ach, sie habe in ihrem Online-Spiel soviele Deutsche. Die sagen das alle. Und sie findets gut, denn es spart ja soviel Zeit.

Zwischen meiner Liebe zur Sprache und jener zu meiner Mutter hin- und hergerissen, versuchte ich letzteren meinen Standpunkt bezüglich ersterer näher zu bringen. Sie hat mich verstanden. Wie der kleine Sohn meiner Freundin bemüht sie sich, mit mir weiterhin in korrekten, vollständigen Sätzen zu kommunizieren. Und wie beim Kleinen werd ich ansonsten einfach auf stur schalten.

Ich verlange ja keine Epen und Romane - und bei SMS darf man ruhig auch mal kürzen. Aber das Übernehmen in den allgemeinen Sprachgebrauch solcher Kurzformen lässt das Schreiberlinen-Herz in meiner Brust jedes Mal weinen.

Rettet die Schnörkel unserer Muttersprache! Hört doch die wunderbare Sprachmelodie vollständiger Sätze.

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12 Anmerkungen

Magie des Monologs

Sonntag wars wieder mal soweit: Ich brauchte jemanden zum Reden. Dachte ich.
Zum nicht allein sein. Fühlte ich.
Zum Anzicken und Ausheulen und überhaupt - so jedenfalls ging die erste Stunde rum.

So mühsam das Muttertier meist ist, in den letzten Monaten war sie letztlich die einzige, die dann doch Zeit für mich hatte. Und bei der ich einfach keine Rücksicht mehr drauf nahm, ob sie sich nun Sorgen macht oder nicht.

Nach einer Stunde geschah es: Die dunklen Wolken über mir lichteten sich, Wege, Türen und Möglichkeiten taten sich auf. Die nächsten Schritte leuchteten wie Signalfackeln vor mir.

Mit neuem Elan verabschiedete ich mich, startete in den Spätdienst und erledigte in diesen sechs Stunden fast alles, was ich in den letzten drei Wochen hätte vorbereiten sollen. Die Ziele haben sich ja nicht geändert - aber die Wege dorthin sind mir endlich wieder klar.

Im Nachhinein betrachtet hat Muttern gar nicht viel gesagt. Eigentlich so gut wie nichts. Dafür redete ich um so mehr. Hielt Monologe über die Schlechtigkeit der Welt, das Unvermögen der Wirtschaft und “Sozialstaaten”, die Unreife der Männerwelt und die Unsensibilität von Geschwistern und Freunden.

Die Magie des Monologs hat gewirkt. Eines Monologs vor einem vertrauten Menschen, bei dem man nichts erklären muss, der zumindest empathisch versteht und erkennt.

Ich liebe Magie!

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Gute Reise…

Soll ich mich auf ihn einlassen? Diese Frage wollte ich ursprünglich stellen. Dann wurde mir klar, dass sich die Frage so eigentlich gar nicht stellt. Denn wenn ich meine Reaktionen auf alles, was er tut und nicht tut beobachtet, ist es dafür etwas zu spät.

Ich danke dem Himmel, dass ich Kopfmensch genug bin, diese Offenheit für einen Menschen, der das scheinbar gar nicht will, wieder beiseite schieben zu können und mich in die Glitzer-Wunder-Welt zu träumen, in der sich zwei Menschen ineinander verlieben - und es nicht immer einen von beiden ganz woanders hinzieht.

Somit war die zu stellende Frage klar: Wird er sich auf mich einlassen?

Ehwaz

Etwas Neues kündigt sich an. Bewegung, Fortschritt.

Umzug, neuer Job, Weiterkommen, Reisen….

www.runenmagie.de

Ich würde mich für ihn freuen. Seit Monaten will er sich beruflich verändern, seinen Lebensmittelpunkt aus der Stadt aufs Land verlegen. Nun scheint das bald Realität zu werden. Er muss seine Chance vermutlich nur erkennen.

Und mir würds auch gut tun, denn die Möglichkeiten für Treffen werden so gar deutlich eingeschränkt. Keine inneren Vorwürfe mehr, dass er sich nicht um ein Wiedersehen bemüht, die Aktivität immer von mir ausgeht. Logisch! Ihm ist es auch nicht so wichtig.

Wie schon mal ähnlich getwittert: Sich zu verlieben verpflichtet den anderen nicht, ebenso zu empfinden.

Du bist es einfach nicht - hör ich nicht gern und sag ich nicht gern. Und doch ist es einer der ehrlichsten Sätze, auf dich in meinem Leben bisher gestoßen bin.

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Geordnete Hindernisse

Inguz

Ein Hindernis wird überwunden.

Fruchtbarkeit, Neubeginn.

Suche nach Harmonie und Ordnung.

(www.runenmagie.de)

Auf die Frage, ob man etwas tun solle oder nicht, ist dies eine typische “Ja, aber”-Antwort. So zumindest würde ich sie deuten.

Toll.

Erst war ich nicht sehr zufrieden mit dieser Antwort. Leider schrie mein Bauch denselben Rat seit Tagen. Nun gut, dachte die Dunkelelfe, bringen wir also erst einmal Ordnung hinein und wagen dann einen Neubeginn.

So gerne hätte ich einmal einen einfachen, leichten Weg. Natürlich wäre die Entwicklung auf diesem Weg … nun … sagen wir: geradlinig bis kaum messbar.

Wir wachsen mit unseren Aufgaben. Abgedroschen in meinen Ohren, aber deswegen um nichts weniger wahr.

Inzwischen hab ich den Rat der Rune befolgt und mich gefragt: “Was hindert mich an einem bedinungslosen Ja?” Ich versuchte das Hindernis auszuräumen und kann nun geordnet und harmonisch meinen Weg weitergehen.

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Worte fließen

Gestern war ich noch ganz zerknirscht. Eine Geschichte holperte durch meine Gedanken, kam jedoch nicht so recht in Fluss. Ähnlich stolpernd äußerten sich auch die - zugegeben - erbärmlichen Versuche, sie in Worten zu Papier zu bringen.

Schreib einfach drauflos.

Hab ein einziges Bild vor dir.

Nach dem ersten Satz läufts von selbst.

Alles richtig, und dennoch nicht umsetzbar, wenn die Worte stocken, die Vorstellungskraft verblasst und nicht einmal mehr Formen und Farben zulässt. Von einem ersten Satz ganz zu schweigen.

Aber, wie so oft, arbeitete, gärte und wuchs die Geschichte im Hinterkopf. Neben der Hausarbeit, versteckt zwischen Träumen, überdeckt von logischen Arbeitsdenkvorgängen.

Jetzt ist das Bild da. Der erste Satz steht - und wird vermutlich doch einer mittendrin.

Und die Worte fließen…

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Die Reise ins Ich

Ganz unvermutet hab ich letzte Nacht
allein und ohne Sack und Pack
eine Reise ins eigene Ich gemacht.
Ich bin erleichtert, doch kein Wrack.

Ein Sammelsurium aus Winkeln und Ecken,
bunte Bilder vergangender Sommertage,
und ganz tolle Erinnerungen durft ich entdecken.
Vergangene Gefühle sah ich auch, keine Frage.

Ich wandelte durch Oasen aus Lachen,
schwamm durch ein Tränenmeer,
entging dem Feuer des zornigen Drachen.
Diese Höhle lockt mich nicht mehr sehr.

Daneben gabs auch dunkle Schluchten
in denen kalt der Zweifel toste und pfiff.
Traurige Sümpfe, die meine Stiefel suchten,
und eisigen Hass, der nach meinem Herzen griff.

Doch über allem strahlte mein Seelenlicht,
wo Ärger und Zorn mich versengen so silbrig und kühl,
doch wo Ängste mich frieren, da wärmt es mich.
Ich lern, mich zu öffnen, für dieses Gefühl.

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Nachtgedanken II

Die Schatten hinter ihr waren düster. Das Dunkel der Nacht stahl sich unter ihre Jacke und lief wie Eiswasser über ihre Haut.

Das Rascheln der von der Herbstsonne bunt gefärbten Blätter klang falsch. Bedrohlich. So falsch.

Statt die Jacke schützend enger um die Schultern zu ziehen, drückt sie den Rücken durch und hebt stolz den Kopf. Was immer ihr folgte - und irgendetwas oder -jemand folgte ihr ganz sicher - musste sich früher oder später zeigen. Oder wieder verschwinden!

Jetzt in Panik zu verfallen half niemandem. Und ihr selbst am allerwenigsten.

Mit einem unwilligen Schulterzucken schüttelte sie die letzten frostigen Gedanken ab und setzte ihren Weg fort.

Die Schatten folgten ihr.

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