Gedankenwelten

Was so durch das Köpfchen rauscht.

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Verlorene Tränen

Ich habe das Weinen verloren.

Auf meiner Suche nach den verkümmerten, vergrabenen und verborgenen Gefühlen und ihren Ausdruck blieb irgendwo das eine auf der Strecke, das mir geblieben war.

Tränen sind mächtig. Sie drücken Trauer, Mitgefühl, Freude, Rührung aus. Tiefe Eindrücke eben, starke Emotionen. Sie spülen Schmerz, Wut, Scham und Angst weg. Manchmal mit dem ersten Schwall, manchmal erst nach Jahren steten Abschleifens.

Ich möchte weinen. Um den Jungen, der schlecht behandelt wurde. Um das Mädchen, das Liebe und Vertrauen verlor. Um Liebe, die den Umständen zum Opfer fällt. Vor Glückseligkeit und Freude. Wegen überwältigender Gefühle.

Ich kann nicht weinen. Auf dem Weg nach draußen gefrieren die Tropfen. Stärken die Eismauern, während ich dabei bin, eben diese abzutragen. Ist das innere Feuer dabei, zu erlöschen? Sind die Bemühungen, die Flammen zu befreien, ihr Tod?

Ein Zurück ist ausgeschlossen. Nur nach vorne führt der Weg. Ich hoffe, die Tränen holen mich wieder ein.

(c) Llynya Dunkelelf

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Nichts passt

Tränen statt schreien
erstarren statt toben
verstecken statt fliehen
wachen statt schlafen

Lachen als Waffe
Eis als Schutz
Sprache als Schweigen
Denken statt Fühlen

Nicht die Gefühle sind im Aufruhr.
Es sind die Reaktionen,
die nicht wissen, wo sie hingehören.

Reaktionen worauf?
Auf Gefühle,
denen beigebracht wurde, zu schweigen.

(c) Llynya Dunkelelf

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Sieh mich, aber schau mich nicht an

Die Diskrepanz zwischen “ich möchte gesehen werden” und “ich möchte nicht aus der Menge stechen” klingt sehr danach, als wisse man nicht, was man will. Tatsächlich sind es zwei sehr verständliche, nachvollziehbare und weit verbreitete Wünsche, die meist eben nebeneinander existieren.

Wir möchten gesehen werden, wahrgenommen werden - als Person, als Persönlichkeit, als Individuum, als Ich. Im Optimalfall vor allem von den “richtigen” Menschen. Oder sind jene, die uns wirklich sehen, allein dadurch “richtig”?

Gleichzeitig möchten wir unsere Unsicherheit verbergen, Schutz suchen in der Menge, in der wir untertauchen können, unsichtbar werden und nicht allein dastehen - als Person, als Persönlichkeit, als Individuum, als Ich. Das Wir tröstet, wärmt, schützt. Es verbirgt. Vor Gefahren - vor uns selbst.

Erst wenn wir erkennen, wann wir was suchen und annehmen, wird klar, dass es gar keine Diskrepanz ist.

Sieh mich, wie ich bin - aber zerr mich nicht ans Licht, wenn ich Schatten brauche.

(c) Llynya Dunkelelf

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Wie tief

Man sieht Bilder, man glaubt Bilder.
Von außen, von anderen und von sich selbst.

Doch was sieht man tatsächlich?
Oberflächen.
Unbekannte.
Vertraute.
Fremde.
Eigene.

Die eigene Oberfläche, von der man glaubt, man hätte sie durchschaut.
Es sind Höhlen, Gruben, Einschnitte.
Und dann findest du den Eingang in ein Tunnel- und Höhlensystem.
Du hast bisher nur an der Oberfläche gekratzt.
Ausschließlich.

Wie tief führt der Weg?
Wie tief wagst du dich hinein?
Wie tief liegt der Grund?
Wie tief kannst du gehen, ohne dich zu verirren?
Wie tief gehst du, ohne den Rückweg zu verlieren?

Wie tief gehst du? 

(c) Llynya Dunkelelf

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Kerzen in der Nacht

Die Nacht schleicht ums Fenster,
will dringendst herein.
Schickt alle Gespenster
um einen Schlafplatz zu freien.

Güldener Schein, der lockt die Dunklen heran,
zeichnet die Ecken und Kanten weich.
Draußen toben die Geister im Wahn,
wollen zurück ins Erdenreich.

Drinnen lecken flackernde Schatten
an bronzener Haut, weiblich und warm.
Sanfte Tropfen fallen auf Matten,
mischen mit Flammen sich zu eigenem Charme.

Blaugraue Blitze feuert sie gegen das Fenster,
geboren hinter schwarzgelocktem Haar.
Verurteilt die Störung durch die Gespenster,
wo die Nacht bisher so vielversprechend war.

Jetzt gibt das flackernde Licht
den Blick auch frei auf den Herrn des Raumes.
Auf nackter Haut sich der Schimmer bricht,
ein stolzer Sohn ihres feuchten Traumes.

Die Gespenster draußen heulen und beben,
Nebelschatten in eisiger Nacht,
drin bescheinen die Kerzen das Leben:
Zwei starke Seiten der gleichen Macht.

(c) Llynya Dunkelelf

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Nachtgedanken II

Die Schatten hinter ihr waren düster. Das Dunkel der Nacht stahl sich unter ihre Jacke und lief wie Eiswasser über ihre Haut.

Das Rascheln der von der Herbstsonne bunt gefärbten Blätter klang falsch. Bedrohlich. So falsch.

Statt die Jacke schützend enger um die Schultern zu ziehen, drückt sie den Rücken durch und hebt stolz den Kopf. Was immer ihr folgte - und irgendetwas oder -jemand folgte ihr ganz sicher - musste sich früher oder später zeigen. Oder wieder verschwinden!

Jetzt in Panik zu verfallen half niemandem. Und ihr selbst am allerwenigsten.

Mit einem unwilligen Schulterzucken schüttelte sie die letzten frostigen Gedanken ab und setzte ihren Weg fort.

Die Schatten folgten ihr.

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Nachtgedanken I

Sie sieht aus dem Fenster. Aus der Tiefe schreien tausende Lichtpunkte ihr Lieder von Sehnsucht entgegen. Die Augen geschlossen dreht sie sich weg. Weg von der Nacht, weg von den Lichtern, weg von allem da draußen.

Sie neigt den Kopf, holt ihre Gedanken zurück, nur um sie gleich weiter zu schicken. Heimgeholt aus der Welt, neu entsandt in ihre Träume. Das Licht flackert sanft, zaubert Schatten, Bewegung und Muster auf ihre Haut. Leise Musik erleichtert ihre Reise.

Sonnenschein über ihr, ein Blütenmeer unter ihr. Explosion der Farben und Düfte. Der Wind streicht lau durch ihr Haar, schmiegt sich um ihren Körper. Hier friert kein Lächeln ein. Kein Herz braucht einen Glaspalast mit Notfall-Bunsenbrenner.

Und doch…

Und doch kehrt sie auch von hier immer wieder zurück. Zurück in ihr Leben, das sie meistern wird. Wie immer. Bis sie bei Sonnenschein und Blütenmeer bleiben und lächeln darf.

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